Häufig gestellte Fragen über die Reifenkennzeichnungen 

 

Allgemeines 

Welchem Zweck dient die neue EU-Reifenkennzeichnung?
Die neue europäische Reifenkennzeichnung dient dazu, die Sicherheit sowie die ökonomische und die ökologische Effizienz der individuellen Mobilität und des Transportwesens zu erhöhen. Deshalb wird die Verwendung kraftstoffeffizienter, sichererer und geräuschärmerer Reifen gefördert. Die Reifenkennzeichnung soll dem Kunden helfen, die richtige Entscheidung beim Reifenkauf zu treffen.

Wie profitiert der Verbraucher von der neuen Reifenkennzeichnung?
Durch die EU-Reifenkennzeichnung wird die Wahl neuer Reifen im Gebiet der Europäischen Union erleichtert. Die Kennzeichnung trägt zur Schaffung hochwertigerer und somit auch sichererer Reifen bei. Mithilfe der Reifenkennzeichnung erhalten die Verbraucher, die Transportunternehmer und die Reifenhändler wesentliche Informationen über die Sicherheit (Nassgriff) und die Umwelteinwirkungen (Rollwiderstand und externes Abrollgeräusch) der Reifen in standardisierter Form. Neben den drei Merkmalkategorien gibt es eine Vielzahl weiterer Faktoren, die die Sicherheit, die Leistungsfähigkeit und die Umwelt beeinflussen. Es ist sehr wichtig, auch diese Faktoren bei der Reifenwahl zu berücksichtigen. Beim Reifenkauf sollte der Verbraucher sicherstellen, dass er derartige Reifen kauft, die für die Bedingungen konzipiert sind, unter denen er tatsächlich fährt.

Wo findet man zusätzliche Informationen?
Es gibt viele Informationsquellen, unter anderem die Webseiten der Reifenhersteller und der Europäischen Kommission (http://ec.europa.eu/energy/efficiency/tyres/labelling_de.htm). Informationen bekommt man auch im Reifengeschäft. Die eigentlichen Klassifikationsdaten findet man auf einem auf der Lauffläche des Reifens befestigten Aufkleber, in einer an der Verkaufsstelle erhältlichen Broschüre, in Preiskatalogen und Webseiten des Reifenherstellers, in einem schriftlichen Angebot des Reifenhändlers oder auf dem Kaufbeleg der Reifen.

Wann wird die neue Reifenkennzeichnung eingeführt?
Die EU-Reifenkennzeichnung ist ab November 2012 obligatorisch. Die neuen Reifenkennzeichnungen gelten für die ab dem 1. Juli 2012 hergestellten, für den Straßenverkehr zugelassenen Reifen für Pkws, 4x4-Wagen, Distributionswagen, Lkws und Busse. Die Kennzeichnungen gelten nicht für Spikereifen, runderneuerte Reifen, Ersatzreifen oder für Rennen oder Oldtimer bestimmte Reifen.

Wann stehen die neuen Kennzeichungsdaten den Verbrauchern konkret zur Verfügung?
Die neuen Klassifizierungskennzeichnungen und die entsprechenden Werte sind für die Verbraucher ab Juli bzw. August auf den Webseiten bzw. anhand der Präsentationsmaterialien der Reifenhersteller zugänglich. In den Reifengeschäften stehen dieselben Daten ab Anfang November 2012 den Verbrauchern zur Verfügung. Sind die Reifen für den Verbraucher sichtbar, müssen sie einen vom Hersteller bereitgestellten Klassifizierungsaufkleber tragen, der auf der Lauffläche des Reifens befestigt ist oder die Klassifizierungskennzeichnung (vom Hersteller bereitgestellt) muss sich in unmittelbarer Nähe des Reifens in gedruckter Form befinden. 

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Reifeneigenschaften 

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Was geht aus den verschiedenen Eigenschaften für den Verbraucher hervor?
Der Rollwiderstand trägt zum Kraftstoffverbrauch des Wagens bei und verfügt somit über einen direkten Einfluss auf die Umwelt. Der Nassgriff ist eine wichtige Eigenschaft im Hinblick auf die Sicherheit. Zudem informiert er über die Bremsleistung des Reifens auf nasser Fahrbahn. Auch das externe Abrollgeräusch des Reifens wirkt auf die Umwelt ein.

Inwieweit beeinflusst das Verhalten des Fahrers auf die drei Klassifizierungsmerkmale der EU-Reifenkennzeichnung?
Der Fahrstil des Fahrers und der richtige Reifendruck zählen definitiv zu den wichtigsten Faktoren, die die Sicherheit und das wirtschaftliche Fahren beeinflussen. Durch einen unsachgemäßen Fahrstil und falschen Reifendruck kann der Fahrer die mit dem Nassgriff und der Kraftstoffeffizienz verbundenen Vorteilen der von ihm gewählten Reifen zunichtemachen. Ein zu niedriger Luftdruck führt zu einem vermehrten Reifenverschleiß und zu einem höheren Rollwiderstand, wodurch wiederum der Kraftstoffverbrauch und die Kohlendioxidemissionen steigen. Ein verantwortungsbewusster Fahrer kennt sich immer mit den Eigenschaften und dem Zustand der Reifen seines Wagens aus. Nur ein Fahrer, der mit seinem Wagen und seinen Reifen vertraut ist, ist in der Lage, die Situationsgeschwindigkeit und den Sicherheitsabstand der jeweiligen Witterung anzupassen.

Warum spielen gewisse Klassifizierungen eine wichtige Rolle?
In Zukunft beeinflusst die EU-Reifenkennzeichnung die Reifenwahl der Verbraucher. Die guten Werte sind insbesondere beim Kauf von Sommerreifen relevant. Bei den Winterreifen kann die Klassifizierung eventuell sogar irreführen. Bei den neuen Reifenkennzeichnungen werden zum Beispiel die tatsächlichen Winterbedingungen, die für die nordischen Länder typisch sind, nicht berücksichtigt. Unter anspruchsvollen und wechselhaften Winterwitterungen sind die wichtigsten Sicherheitseigenschaften der Reifen der Eisgriff und der Schneegriff. Die Nassgriffklassifizierung des Reifens gibt keine Auskunft über die Wintertauglichkeit des Reifens.

Der Rollwiderstand wirkt auf den Kraftstoffverbrauch und somit auch auf die Kohlendioxidemissionen ein. Was versteht man unter Rollwiderstand?
Unter Rollwiderstand wird die Energie, die in der Verformung während der Fahrbahnberührung des Reifens verbraucht wird, verstanden. Diese Formänderung und die hierfür erforderliche Energiemenge können durch Reifenkonstruktion und Materialwahl beeinflusst werden. Faktoren, die den Energieverbrauch vermehren, sind beispielsweise die Temperatur, der Luftdruck, der Belastung und der Verschleißgrad des Reifens sowie der Luftwiderstand und die Strömungen, die aus dem Fahrtempo entstehen. Ebenfalls kann ein 0,5 mm tiefes Wasserbett auf der Fahrbahn den Rollwiderstand um sogar 50 % erhöhen. Der Anteil des Rollwiderstandes am Kraftstoffverbrauch eines Fahrzeugs beträgt etwa 20 Prozent. Je kleiner der Rollwiderstand, desto kleiner der Kraftstoffverbrauch. Durch die Reifenwahl mit Köpfchen und den ruhigen Fahrstil verringert der Verbraucher die von seinem Autofahren verursachten Kohlendioxidemissionen auf einer erheblicher Art und Weise. Ein mit den höchstwirtschaftlichen Reifen der Klasse B ausgestatteter Pkw verbraucht pro 100 Kilometer etwa 0,1 Liter weniger als ein mit Reifen der Klasse C bereifter Pkw.

Was bedeutet der Nassgriff des Reifens und wie kann er bewertet werden?
Der Nassgriff bedeutet das Griffvermögen des Reifens auf nasser Fahrbahn. In der Praxis bedeutet der Begriff Nassgriff aber auch einen kürzeren Bremsweg auf nasser Fahrbahn, bessere Handlingseigenschaften oder ein stabileres Lenkgefühl bei Nässe. Gemäß der neuen Reifenkennzeichnungsverordnung kann der Nassgriff eines Pkw-Reifens mithilfe von zwei Methoden getestet werden. Bei beiden Methoden wird der zu bewertende Reifen mit einem Vergleichsreifen (einem so genannten Standard-Referenz-Testreifen) verglichen. Bei dem ersten Test wird mit dem Fahrzeug auf nasser Fahrbahn gebremst. Bei der anderen Testmöglichkeit geht es um einen so genannten Skip-Trailer-Test (Reibmesswert-Test), bei dem die Reibung zwischen den Reifen und der Fahrbahn gemessen wird.

Welche Wirkungen hat der Nassgriff?
Der Nassgriff ist vor allem für Sommerreifen eine wichtige Sicherheitseigenschaft. Der Nassgriff spiegelt die Kontrollierbarkeit des Reifens auf nasser Fahrbahn wider. Die neue EU-Reifenkennzeichnung gibt Auskunft über den Bremsweg des Reifens auf nassem Asphalt ab einer Geschwindigkeit von 80 km/h. Der Unterschied beim Bremsweg zwischen Reifen der Klassen A und F kann sogar mehr als 18 Meter betragen. Dies entspricht einer Länge von vier Pkws oder einem Bus in seiner gesamten Länge. Der Unterschied zwischen Reifen paralleler Klassifizierungskategorien entspricht einer Länge von einem Pkw (3–6 Meter).

Welche Rolle spielt das externe Abrollgeräusch?
Es gibt einen großen Unterschied zwischen Reifen, die nach der EU-Reifenkennzeichnung mit einer oder drei Schallwellen gekennzeichnet sind. Ein Reifen mit drei Schallwellen kann sogar 6 Dezibel mehr Lärm erzeugen als ein Reifen, der mit nur einer Schallwelle gekennzeichnet ist. Dies entspricht einem circa vierfach höheren Geräuschniveau. Das Reifengeräusch bezieht sich aber auch immer auf die Fahrbahn, denn der jeweilige Untergrund trägt zur Geräuschentwicklung des Fahrzeugs erheblich bei. Als ein absoluter Wert gibt die Dezibelzahl nicht viel Auskunft über das Geräuschniveau: Zum Beispiel produzieren alle Reifen viel Geräusch im Frühjahr beim Fahren auf rauem Asphalt. 

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Testen und Zuverlässigkeit 

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Wie werden die Eigenschaften der Reifenkennzeichnung (Kraftstoffeffizienz, Nassgriff und externes Abrollgeräusch) definiert und getestet?
Die neuen Reifenklassifizierungen werden anhand präzis spezifizierten Tests definiert. Alle Reifenhersteller sind für die Bewertung und Klassifizierung ihrer eigenen Reifen zuständig. Bei der Selbstbewertung werden Testmethoden herangezogen, die die UN-ECE (die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen) anerkannt und präzis festgelegt hat. Der Nassgriff und das externe Abrollgeräusch werden unter realen Bedingungen als Outdoor-Test im Freien getestet. Der Rollwiderstand, der die Kraftstoffeffizienz des Reifens widerspiegelt, wird dagegen mithilfe einer Universaltestanlage als Indoor-Test in einem Innenraum getestet.

Wie sollte man vorgehen, wenn man vermutet, dass die eigenen Reifen der angegebenen Klassifizierung nicht entsprechen?
Die nationalen Behörden sind für die Überwachung der Vorschriftseinhaltung und deren Implementierung zuständig. Die in Finnland zuständige Behörde ist das Amt für Verkehrssicherheit (Trafi). Die Überwachung ist im Hinblick auf den Erfolg und die Wirkung der neuen Reifenkennzeichnung von großer Wichtigkeit, denn nur mithilfe einer Überwachung kann sichergestellt werden, dass die Verbraucher, die Transportunternehmer und die Reifenhändler nicht irregeführt werden. Es wird danach gestrebt, dass kein Verbraucher minderwertige Reifen kauft, deren Eigenschaften viele Wünsche offen lassen.

Beinhalten die Reifenkennzeichnungen alle relevanten Informationen, die die Reifenwahl erleichtern?
Die drei Merkmale der EU-Reifenkennzeichnung dienen als ein guter Ausgangspunkt, und sie sind wichtige Faktoren in Bezug auf die Sicherheit und die Umweltfreundlichkeit der Reifen. Es gibt aber auch eine Vielzahl weiterer Faktoren, die bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit des Reifens zu berücksichtigen sind. Zu denselben zählen unter anderem die Handlingsbarkeit des Reifens auf nasser und trockener Fahrbahn, das Griffvermögen auf Eis, das Aquaplaningverhalten oder die Verschleißbeständigkeit des Reifens. Bei der Entwicklung eines neuen Reifens verwendet Nokian Tyres eine Testreihe von mehr als 300 standardisierten Tests.

Werden sofort Reifen auf den Markt kommen, die sowohl in Bezug auf die Kraftstoffeffizienz als auch im Hinblick auf den Nassgriff zur besten, also der A-Klassifizierung, zählen?
Ja, obwohl die neue Klassifizierung sehr anspruchsvoll ist. Was seine Eigenschaften angeht, ist ein Reifen immer ein Kompromiss. Bestimmte Reifeneigenschaften sind nahezu widersprüchlich zueinander: Verbessert man die eine Eigenschaft, wird eine andere verschlechtert. Dies ist der Fall z.B. beim Eis- bzw. Nassgriff der Winterreifen. 

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EU-Reifenkennzeichnung und Winterreifen 

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Wie werden die Winterreifen in Bezug auf die neuen Reifenkennzeichnungen berücksichtigt?
Die Reifenkennzeichnungen gelten nicht für Spikereifen; sie gelten jedoch für die spikelosen Winterreifen (M+S-Reifen). Was die Winterreifen angeht, sollte die Reifenkennzeichnung nicht als der einzige Vergleichspunkt dienen, sondern es empfiehlt sich, unabhängige Vergleichstests heranzuziehen und einen sachkundigen Reifenhändler um Rat zu fragen. Die nordischen spikelosen Winterreifen sind für die – gelegentlich sehr glatten – Winterwitterungen des Nordens und für das Fahren auf Eis und Schnee konzipiert. Bei den spikelosen Winterreifen (M+S-Reifen), die für die mitteleuropäischen Bedingungen bestimmt sind, werden hingegen die für schnelles Fahren erforderlichen Eigenschaften auf eis- bzw. schneefreien Fahrbahnen auf Kosten des Eisgriffs betont.

Lohnt es sich, einen Winterreifen ausschließlich aufgrund seines Nassgriffs zu wählen?
Nein, es lohnt sich nicht. Bei den nordischen Winterreifen ist der Nassgriff weitaus nicht das wichtigste Sicherheitselement. Ein Winterreifen mit einem guten Nassgriff verfügt über einen schwachen Eisgriff, und oft ist ein derartiger Reifen insbesondere für die milderen mitteleuropäischen Winterbedingungen konzipiert. Im Hinblick auf die Winterreifen profitieren die nordischen Verbraucher, die unter den realen Winterbedingungen fahren, von der Reifenkennzeichnung nicht. Die Kennzeichnung kann sogar irreführen und die Verkehrssicherheit gefährden. In Bezug auf die Sicherheit der Verbraucher ist es ausschlaggebend, immer die richtigen Reifen für die richtigen Bedingungen zu erwerben.

Wo sollte der Verbraucher zuverlässige und vielfältige Informationen zur Unterstützung seiner Reifenwahl einholen?
Für den Verbraucher ist es empfehlenswert, einen sachkundigen Reifenverkäufer in einem Reifengeschäft zu befragen, die Marketingmaterialien und die Webseiten der Reifenhersteller zu erforschen und die Reifentests großer unabhängiger Automagazine zu analysieren, bei denen Dutzende Eigenschaften getestet werden. Beim Reifenkauf sollte der Verbraucher sicherstellen, dass er derartige Reifen kauft, die für die Bedingungen konzipiert sind, unter denen er tatsächlich fährt. 

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Infopaket über die neuen EU-Reifenkennzeichnungen herunter

Ziel der Verordnung ist es, Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit des Straßenverkehrs zu verbessern, indem die Benutzung kraftstoffeffizienter, sicherer und möglichst geräuscharmer Reifen gefördert wird.

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